Du sitzt abends nach einem weiteren Match in der App, starrst auf das Display und spürst diese bleierne Müdigkeit. Die Gespräche laufen immer gleich, die Nervosität beim Treffen ist da, und du fragst dich, warum es sich trotz aller Bemühungen so hohl anfühlt. Du sehnst dich nach einem Moment, in dem du wirklich gesehen wirst – und selbst sehen kannst. Nicht als Typ, der eine Rolle spielt, sondern als Mann, der begehrt und begegnet, ohne zu verbergen, wer er ist.
Es ist kurz nach elf, das Display wirft ein kaltes Licht auf dein Gesicht. Wieder ein Match, wieder dieselben Sätze. Du tippst etwas, das halb witzig, halb unverbindlich klingt, und spürst schon, wie die Müdigkeit in die Knochen kriecht. Nicht die Müdigkeit nach einem langen Tag, sondern eine tiefere, bleierne Erschöpfung. Die dritte Verabredung in diesem Monat, der dritte Smalltalk über Beruf, Reisen, Lieblingsfilme. Und immer dasselbe: ein höfliches Lächeln, ein paar Stunden, in denen du dich beobachtest, wie du dich beobachtest. Als würdest du eine Rolle spielen, deren Text du längst auswendig kannst, deren Sinn du aber schon lange nicht mehr verstehst.
Später, zu Hause, bleibt eine Leere zurück. Nicht der scharfe Schmerz einer Zurückweisung, sondern etwas Stumpfes, das sich anfühlt wie Scham, nur ohne klares Gesicht. Du hast wieder nichts von dir gezeigt, das wirklich zählt. Und sie hat es auch nicht getan. Zwei Masken, die einander höflich umkreisen. Du legst das Telefon weg und starrst an die Decke. Die Sehnsucht, die dann kommt, ist leise, fast schüchtern: einfach nur gesehen werden. Nicht als der Typ, der clever kontert oder lässig wirkt. Sondern als der Mann, der begehrt, der unsicher ist, der lebt. Der sich traut, etwas zu zeigen, ohne zu wissen, ob es genug ist.